Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm

Aus Olypedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm (M-System) - mit freundlicher Genehmigung von www.meinhard-schmitt.com
G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm (M-System) - mit freundlicher Genehmigung von www.newoldcamera.it
G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm (OM-System) - mit freundlicher Genehmigung von www.grainlab.com

Beschreibung

Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm Normalobjektiv

Wenige Hinweise in der japanischen Fachpresse weisen darauf hin, dass das Objektiv im Jahr 1974 vorgestellt wurde. Für die damaligen Möglichkeiten ist es erstaunlicherweise gelungen, ein kompaktes und optisch gutes Objektiv mit diesen Kenndaten herzustellen, die Konkurrenzprodukte waren weit größer und schwerer.

Wie die vergleichbaren "Lichtriesen" der damaligen Mitbewerber (z. B. das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. oder das Nikon Nikkor-Auto 1:1.2/55 mm) zeichnet das Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm bei offener Blende etwas weich und an den Rändern tritt Koma auf. Dies ist aber beim eigentlichen Einsatzzweck - Aufnahmen bei wenig Licht - nicht so wichtig, da hier meistens hohe Kontraste vorherrschen.

1982 wurde das Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm durch eine völlige Neurechnung - dem Zuiko Auto-S 1:1,2/50 mm - abgelöst. Dieses konnte - mit den zeitweise wesentlich technischen Fortschritten - kompakter, leichter und optisch (etwas) besser konstruiert werden.

Insbesondere bei offener Blende ist das Zuiko Auto-S 1:1,2/50 mm optisch etwas besser, leicht abgeblendet (Blende 2,8) sind die Unterschiede nicht mehr sichtbar. Die chromatische Aberration ist bei der neueren Version auch etwas weniger ausgeprägt, deshalb eignet es sich besser für die digitale Fotografie (siehe hierzu den Vergleichstest unter den Weblinks).

Erwähnenswert ist noch, dass die optische Leistung beim Abblenden nicht so stark ansteigt, wie es bei vergleichbaren (lichtschwächeren) Objektiven - wie z. B. beim Zuiko Auto-S 1:1,8/50 mm - der Fall ist. Erst bei den neuzeitlichen Rechnungen mit asphärischen Linsen - wie z. B. das Canon EF 1,2/50 mm L - werden sehr gute optische Leistungen sowohl bei offener als auch bei geschlossener Blende erreicht.

Lt. diverser japanischer Quellen sollen in den frühen Exemplaren der ersten Version schwach radioaktive Linsen verbaut worden sein. Gefahr für den Anwender tritt aber in keinem Fall auf. Hier ein sehr treffendes Zitat von dcsides dazu:

"If this lens worries you, DO NOT EXPOSE YOURSELF TO THE SUN! It's much more dangerous to you and your film..."

Die hierbei verwendeten Gläser haben beim Durchschauen eine gewisse "Gelbfärbung", die aber nicht immer zu einem gelblichen Farbstich führt - hierzu ist aber zu bemerken, dass dies für die digitale Fotografie absolut nebensächlich ist, da der korrekte Weißabgleich durch das Objektiv ermittelt wird und dabei evtl. Farbstiche korrigiert werden.

Zitate

Ein Zitat von Franz Pangerl aus seinem Buch "Die Welt des OM-Systems" (erschienen 1975 von Olympus Optical Co. (Europa) GmbH):

"Das lichtstärkste Zuiko-Objektiv ist ein sechsgliedriger Siebenlinser mit 43 Grad Bildwinkel und Einstellug im Schneckengang bis 45 cm nah. Es bringt das hellste Sucherbild, die Korrektur der Bildfehler ist auf gleichmäßige Abbildungsqualität bis zum Bildrand und auf hohe Gesamtlösung ausgelegt. Kleinstes Objektfeld 15 x 23 cm, Schärfentiefe von etwa 4,10 m bis unendlich bei Blende 16. Blendenautomatik mit Belichtungsmesserkupplung."

Ein schönes Zitat von Marco Cavina aus seinem lesenswerten Artikel "TEST n° 19 - OLYMPUS OM ZUIKO 55mm f/1,2":

"The famous Olympus OM G-Zuiko Auto-S 55mm f/1,2, the light-gathering artillery of the early OM camera system, has celebrated the 40th anniversary since the delivery of his optical computation by Jihei Nakagawa-San (November, 5th 1971 - November, 5th 2011); the first camera really of my own (January 1980, at 15 y.o) was an brand-new Olympus OM-1n, so Olympus remains for me a kind of photographic imprinting... The Zuiko 55mm f/1,2 animated my teenager's dreams and was at the top of every Olympus user's wish list; now, after 40 years, I wondered if the fame of his performaces must only be referred to it's age's standards or, maybe, if this lens can tell something impressive even now; to answer the question."

Ein weiteres - auch sehr treffendes - Zitat von Raf Ferreira:

"Zuiko 55mm 1.2 is part of the "Magic Lens" team, usually people like those lenses because of their unique features, in some cases because of flaws in the lens, in others by their DOF quality (I know, good or bad bokeh is a very subjective term). I would 90% of the time shoot with those wide open."

Ein Zitat aus "Olympus OM Zuiko 55mm F1.2" von Robin Wong:

"The lens is not sharp at wide open F1.2, but the image is still perfectly usable and you do get very soft out of focus area. However, the bokeh can get busy and is not creamy buttery smooth. Nonetheless, it was not distractingly harsh, and is considered better than many other older lenses."

Ein Zitat aus "Round 2 with the Zuiko OM 55mm F1.2 Lens" von Robin Wong:

"For now, I am very happy with the results I get at F1.8-F2 on 55mm F1.2. The images are not superbly sharp like the modern digital lenses, but the images are still pleasingly sharp, and I like how the overall look and feel the lens produces!"

Ein Zitat aus der ausführlichen Beschreibung bei mike-lee.org:

"This lens was introduced probably around 1974. With a bright maximum aperture of f/1.2, this is also the fastest Zuiko lens at the time. Due to its requirement of extraordinary light gathering power with its f/1.2 maximum lens speed, the early Zuiko design requires it to have an unusual, larger, non-49mm standard 55mm filter attachment size. With a unique optical design comprises of 7 elements in 6 groups, this lense offers good resolution and moderately high contrast with a single lens coat."
"There are two variants of this lens."
"* The first version had a silver nose and used a radioactive thorium glass element."
"* The second version had a black nose and did not use radioactive elements."


Technische Daten

G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - Linsenschnitt - Photos courtesy of Ron Luxemburg Photography
Brennweite: 55 mm
Bildwinkel: 43° diagonal
Lichtstärke: 1:1,2
Blendenbereich: 1,2 - 16
Linsenanzahl/Baugruppen: 7-6
Kürzeste Entfernung: 0,45 m
Gewicht: 310 Gramm
Baulänge: 47 mm
Filtergewinde: 55 mm
Gegenlichtblende: Metallvariante, aufsteckbar (Zubehör)
Kaufpreis (1978): 169,95 USD
Kadlubek-Code: OLP0250


Varianten

Lt. der diversen Veröffentlichungen existieren vier Varianten:

G.Zuiko Auto-S 1:1,2 55 mm - Gravur "M-System"

G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm (M-System) - mit freundlicher Genehmigung von www.newoldcamera.it

Erste Variante, kam zeitgleich zur M-1 heraus, alle bekannten Exemplare haben eine Silbernase. Statt der heute üblichen Kreuzschlitzschrauben (siehe hier als Beispiel das Zuiko Auto-S 1:2/40mm) wurden Schlitzschrauben (siehe hier als Beispiel das G.Zuiko Auto-W 1:2,8/35mm (M-System)) - z. B. für die Befestigung des Bajonetts - benutzt.


G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - Gravur "OM-System" mit Silbernase

G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - mit freundlicher Genehmigung von www.grainlab.com

Diese Variante ist konstruktiv vollkommen identisch, wurde nur wegen des Rechtsstreits mit Leitz umbenannt. Die bekannten Exemplare besitzen alle auch eine Silbernase, es sollen auch mehrschichtvergütete Objektive dieses Typs existieren, die nicht die Bezeichnung MC haben.


G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - Gravur "OM-System" ohne Silbernase

G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - mit freundlicher Genehmigung von alangeli

Diese Variante ist konstruktiv vollkommen identisch, wurde nur wegen des Rechtsstreits mit Leitz umbenannt. Diese Exemplare besitzen keine Silbernase, es sollen auch mehrschichtvergütete Objektive dieses Typs existieren, die nicht die Bezeichnung MC haben.


Zuiko MC Auto-S 1:1,2/55 mm

Zuiko MC Auto-S 1:1,2/55 mm - mit freundlicher Genehmigung von team-foto.com

Konstruktiv keinerlei Unterschiede zur ersten Version, aber Mehrschichtvergütung und Wegfall der Silbernase. Lt. diverser Quellen wurde diese Version in einer sehr kleinen Auflage produziert, ein Bild ist bis jetzt aufgetaucht.


Sondermodelle, Customizing-Versionen o.Ä.

Customizing-Version des G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm - mit freundlicher Genehmigung von www.om-labor.de

Customizing-Versionen vom OM-Labor

Das OM-Labor fertigt auf Anfrage Customizing-Versionen von diversen Olympus OM-Objektiven - hier einige Bildbeispiele dazu:


Empfohlene Einstellscheiben

Einstellscheibe 2-13 - mit freundlicher Genehmigung von team-foto.com


Weblinks


Literatur

Hier finden Sie Literaturhinweise bzw. Dokumente zum Objektiv:

Hier finden Sie den "mitgelieferten Beipackzettel" zum Objektiv:

Alternativen

Hier werden Alternativen innerhalb des OM-Systems und von Fremdherstellern genannt, die zur Produktionszeit des OM-Systems auf dem Markt waren.
Die Aufzählung ist aber nicht abschließend, es werden - neben einigen Festbrennweiten - auch qualitativ sehr gute Zoomobjektive dargestellt.

Im OM-System

Zuiko MC Auto-S 1:1,2/50 mm - mit freundlicher Genehmigung von www.grainlab.com
Zuiko Auto-S 1:2/40 mm - mit freundlicher Genehmigung von Foto Brell, Frankfurt

Folgende Objektive des OM-Systems stehen als Alternativen zur Verfügung - eine ausführliche Darstellung siehe oben:

Zuiko Auto-S 1:1,4/50 mm


Von Fremdherstellern

OM-MC Cosina 1:1,2/55 mm - Photos courtesy of 3rdpartylens-om

Da Objektive dieser Kenndaten sehr teuer waren (und noch sind) war die Nachfrage sehr gering. Wahrscheinlich lohnte es sich für die bekannten Fremdhersteller nicht, entsprechende Objektive auf den Markt zu bringen. Zurzeit ist nur ein Objektiv aufgetaucht, welches von einem Drittanbieter für das OM-Bajonett gefertigt wurde. Lt. der Quelle scheint es nur für den japanischen Markt - und in sehr geringer Stückzahl - produziert worden sein:


Vergleichbare Produkte der Mitbewerber

Zeitgenössische "Lichtriesen"

Nikon Noct-Nikkor S-Auto 1:1,2/58 mm - mit freundlicher Genehmigung von arsenal-photo.com
Auto Yashinon 1:1,2/55 mm "Tomioka" - mit freundlicher Genehmigung von "O.S."

Spätestens nach dem Auftauchen der japanischen Optikindustrie auf den westlichen Märkten versuchten sich diese von den europäischen Konkurrenten abzugrenzen und durch - teilweise obskure Konstruktionen (wie z. B. das Canon 1:14/5200 mm) - auf sich aufmerksam zu machen.
Schon bei den Messsucherkamera - wie z. B. bei der Canon 7 - war es Usus, ein sehr lichtstarkes Objektiv anzubieten. Dies gipfelte z. B. bei Canon bei einem 1:0,95/50 mm, welches bei offener Blende nur sehr geringen Kontrast und Schärfe "übermitteln" konnte.
Bei der flächendeckenden Einführung der Spiegelreflextechnologie durch die japanischen Kamerahersteller hatte jeder einen "Lichtriesen" als Prestigeprodukt in seinem Programm, wohingehend die europäischen Hersteller höchstens die Lichtstärke "1:1,4" anbieten konnten. Eine Ausnahme war u. a. das Noctilux der Firma Leitz (für die M-Leica).
Die damaligen (und teilweise noch heutigen) Mitbewerber hatten u. a. folgende Objektive im Programm:

Ein zeitgenössischer Test von Walter E. Schön (2. Seite) bescheinigte allen Objektiven einen Randlichtabfall und recht schlechte Leistungen bei offener Blende. Das Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm liegt (je nach Gewichtung - s. 2. Seite des Tests von Walter E. Schön) im Mittelfeld, Schlusslicht war das (mitgetestete) Noctilux 1:1/50 mm (für die M-Leica).

Weitere lichtstarke Objektive sind im Artikel Lichtstärke zu finden.

Weitere zeitgenössische Normalobjektive sind hier zu finden:



Interessante (teilw. neuzeitliche) "Lichtriesen"

Canon 1:0,95/50 mm - mit freundlicher Genehmigung von WestLicht, Wien
Voigtländer (Cosina) Nokton 1:1,1/50 mm - mit freundlicher Genehmigung von arsenal-photo.com
MS Optical Sonnetar 1:1,1/50 mm MC - mit freundlicher Genehmigung von arsenal-photo.com
Zunow 1:1,1/50 mm - mit freundlicher Genehmigung von arsenal-photo.com

Außer Konkurrenz hier ein paar sehr lichtstarke Objektive für Messsucherkameras sowie aus neuerer Produktion:

Weitere lichtstarke Objektive sind im Artikel Lichtstärke zu finden.

Weitere zeitgenössische Normalobjektive sind hier zu finden:


Testberichte

Hier ein paar Testergebnisse zur zeitgenössischen Einordnung des Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm:

popular photography (1977)

Lens Coma (critical f-stops) Astigmatism (critical f-stops) Lat. Chrom. Focus shift Distorsion Vignetting (None Beyond....) Centering Focal length f-number Transmittance
1/3 out 2/3 out Far edge 1/3 out 2/3 out Far edge 1/3 out 2/3 out Far edge Long. chrom. (Blue-Red) spherical Marked Measured Marked Measured Measured T-number
Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. 2.2 4 5.6 1.2 4 1.2 None None None 0,08 mm f/1.2-f/4 None Moderate Barrel f/2.8 Sightly Off 55 mm 54.9 mm f/1.2 f/1.24 90.00 % t/1.30
G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm 2 2.2 4.5 2.2 2.2 4.5 None V. Slight Slight 0.04 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Pronounced Barrel f/2.2 Near Perfect 55 mm 56.0 mm f/1.2 f/1.31 84.24 % t/1.42
Konica Hexanon AR 1.1,2/57 mm 2 2.8 4.5 1.2 4.5 1.2 None None None 0.12 mm f/1.2-f/4 0.02 mm Moderate Barrel f/2.8 Near Perfect 57 mm 58.0 mm f/1.2 f/1.19 90.00 % t/1.25
Leitz Noctilux 1:1,2/50 mm 2.2 2.2 5.6 5.6 9 None V. Slight V. Slight Slight 0.05 mm f/1.2-f/4 None Pronounced Barrel f/2.8 Perfect 50 mm 51.9 mm f/1.2 f/1.20 86.00 % t/1.30
Minolta MC Rokkor 1:1,2/58 mm 2 2.8 4 None None 5.6 None None None 0.09 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Moderate Barrel f/2.8 Sightly Off 58 mm 59.5 mm f/1.2 f/1.23 86.60 % t/1.32
Nikon Nikkor S-Auto 1:1,2/55 mm 2.8 4 5.6 None None 5.6 Slight Medium Medium 0.07 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Pronounced Barrel f/2.2 Perfect 55 mm 55.0 mm f/1.2 f/1.20 93.30 % t/1.25
SMC Pentax 1:1,2/50 mm None 2.8 4.5 None 4.5 6.3 None V. Slight Slight 0.15 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Moderate Barrel f/2.2 Near Perfect 50 mm 51.8 mm f/1.2 f/1.22 93.30 % t/1.26
Vivitar Series 1 1:1,2/55 mm (Cosina) 2.2 2.8 5.6 4 5.6 None Slight Above Avg. Above Avg. 0.16 mm f/1.2-f/4 None Moderate Barrel f/2.2 Near Perfect 55 mm 56.2 mm f/1.2 f/1.24 90.00 % t/1.30

Testbericht von Objektiven der "1,2er-Klasse" von Walter E. Schön


Beispielaufnahmen

Hier ein paar Beispielaufnahmen mit dem o.a. Objektiv:

Weiterhin wird auf den Vergleichstest zwischen dem Zuiko Auto-S 1:1,2/50 mm und dem Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm verwiesen, der in japanisch und der deutschen Übersetzung vorliegt.