Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C.

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Canon FD 1:1,2/55 mm (Variante 1) adaptiert an einer Panasonic LUMIX DMC-G1 - mit freundlicher Genehmigung von commendatore
Auszug aus der Broschüre "Einführung in die Canon F-1", Canon Inc., Tokyo (1972) zum Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C.

Beschreibung

Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. - Normalobjektiv

Ein sehr lichtstarkes Normalobjektiv aus dem FD-System, bereits bei offener Blende hoher Kontrast und Schärfe - siehe hierzu den hervorragenden Erfahrungsbericht im DigiCamClub (weiter nach unten scrollen). Das Bokeh ist sehr gefällig, die Unschärfebereiche werden ansprechend aufgelöst - s. hierzu die Beispielaufnahmen im unteren Teil des Artikels.

Spätestens nach dem Auftauchen der japanischen Optikindustrie auf den westlichen Märkten versuchten sich diese von den europäischen Konkurrenten abzugrenzen und durch - aufwändige (aber auch teilweise obskure Konstruktionen - wie z. B. das Canon 1:14/5200 mm) - auf sich aufmerksam zu machen - Canon z. B. durch das hier vorgestellte Normalobjektiv mit der Lichtstärke 1:1,2 für die zeitgleich vorgestellte Spiegelreflexkamera Canon F-1.

Schon bei den Messsucherkameras - wie z. B. bei der Canon 7 - war es Usus, ein sehr lichtstarkes Objektiv anzubieten. Dies gipfelte z. B. bei Canon bei einem 1:0,95/50 mm, welches bei offener Blende nur sehr geringen Kontrast und Schärfe "übermitteln" konnte.

Bei der flächendeckenden Einführung der Spiegelreflextechnologie durch die japanischen Kamerahersteller hatte jeder einen "Lichtriesen" als Prestigeprodukt in seinem Programm, wohin gehend die europäischen Hersteller höchstens die Lichtstärke 1:1,4" anbieten konnten. Eine Ausnahme war u. a. das Noctilux der Firma Leitz (für die M-Leica), welches wegen des wesentlich geringeren Auflagemaßes nicht vergleichbar ist.

Das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. hat eine sehr geringe Neigung zu Koma im äußeren Randbereich, viel geringer aber als bei den vergleichbaren Objektiven der Mitbewerber. Groß und schwer, die Mitbewerber konnten teilweise wesentlich kompaktere Objektive anbieten.

Zu beachten ist aber, dass bei einer (auch sehr kleinen) De-Fokussierung der sog. "Glüh-Effekt" auftritt. Dies scheint nach überwiegender Meinung der Nutzer bei allen SLR-Objektiven der "1,2er-Klasse" im "digitalen Bereich" aufzutreten; das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. neigt wohl aber - im Vergleich zu den Mitbewerbern - nur relativ wenig zu dem beschriebenen Verhalten; siehe hierzu ein Beispielbild im unteren Teil des Artikels.

Lt. diversen Nutzermeinungen in den bekannten Foren soll es sich um eines der besten lichtstarken Objektive dieser Brennweitenklasse handeln. Insbesondere in der "digitalen Nutzung" soll es viele lichtschwächere Objektive (z. B. der "1,4er-Klasse") übertreffen.

Ein zeitgenössischer Test von Walter E. Schön (Seite 1/Seite 2) bescheinigte allen Objektiven der "1,2er-Klasse" einen Randlichtabfall und recht schlechte Leistungen bei offener Blende. Das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. liegt (je nach Gewichtung - s. 2. Seite des Tests von Walter E. Schön) fast immer an der Spitze, Schlusslicht war das (mitgetestete) Noctilux 1:1/50 mm (für die M-Leica). Erfahrungsgemäß gibt es aber (teilweise sehr große) Abweichungen zwischen der optischen Leistungen von Objektiven auf Film und Sensor, deshalb sind diese (historischen) Testberichte nur als guter Anhaltspunkt zur Wertung der "digitalen" Leistung hinzuzuziehen.

Digitale Nutzung?

Das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. ist ohne Probleme adaptierbar an Kameras des FT- und MFT, sowie des Sony Nex-Systems, für die Verwendung an einer DSLR des Canon EF-Systems nur mit einem "Adapter mit Linse" adaptierbar. Dies führt aber in der Regel zu einer erheblichen Verschlechterung der Abbildungsleistung und ist deshalb nicht zu empfehlen.

Durch einen mechanischen Umbau durch "kundige Hände" ist es aber gelungen, dieses "Juwel" in die "digitale Neuzeit" für die Verwendung an DSLR-Kameras des Canon EF-Systems zu retten - hier finden Sie die entsprechende Umbaudokumentation. Weiterhin wird dort ausführlich auf die optische Leistung des Objektives - auch in Bezug auf vergleichbare Produkte der Mitbewerber - eingegangen (sehr lesenswert).

Zu beachten ist aber, dass das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. nach dem Umbau - in "Unendlichkeitseinstellung" - den Spiegel von "Vollformat"-DSLR-Kameras touchierten kann. Dies ist z. B. beim der Canon EOS 5D MkII der Fall - siehe hierzu den Erfahrungsbericht im DigiCamClub - das Fotografieren mit LiveView ist aber problemlos möglich. Bei Kameras der FT-, MFT- sowie APS-C-Systeme tritt dieses Problem dagegen nicht auf.

Zitate

Hier einige Zitate zum Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C.:

"Dieses ultralichtstarke Objektiv wurde aus dem FL 1:1,2/55 mm entwickelt. Trotz seiner extremen Lichtstärke zeichnet es sich durch hervorragende Kontrastwiedergabe und hohe Auflösung schon bei voller Öffnung aus.
Seine optischen Leistungen ähnelt der des FD 1:1,4/50 mm.
Zur Entspiegelung wurde das Super-Spectra-Mehrschichtenverfahren verwendet."
(Einführung in die Canon F-1, Canon Inc., Tokyo (1972))
"Abgesehen von der größtmöglichen Sucherhelligkeit und Einstellgenauigkeit bietet dieses mehrschichtenvergütete Objektiv mit einem Bildwinkel von 43 Grad eine Abbildungsleistung, die selbst bei voller Öffnung keinen Vergleich zu scheuen braucht." (Günter Richter - Canon F-1, Heering-Verlag, Seebruck am Chiemsee (1977))
"Bereits bei Blende 1.4 kann auch das Summilux (Leica Summilux-R 1:1,4/50 mm) in Sachen Schärfe und Kontraste nur noch 'mithalten'".. (Zitat aus dem DigiCamClub vom Autor hinnerker)

Zur Darstellung der Unterschiede in der Abbildungsleistung der "asphärischen" und "nicht-asphärischen" Konstruktionen zwei Zitate von hinnerker aus dem DigiCamClub:

"Das Aspherical ist im Zentrum rattenscharf, wohl das schärfste und kontrastreichste Objektiv in der Klasse, das ich je gesehen habe bei meinen Vergleichen. Hier kann das normale Canon definitiv nicht mithalten. Zu den Rändern hin, fällt es aber an der 5D MK II bei Zentrumsfokussierung deutlich ab im Vergleich zum normalen SSC NON AL, das bis in die Ränder doch als gut zu bezeichnen ist. Dieser Nachteil ist wohl der etwas anderen Bildfeldwölbung der Asphärischen Version geschuldet. Aussermittige Motive, auf die am Rande des Suchers scharf gestellt werden, sind dann aber auch scharf, wohingegen bei flächigen Motiven und Zentrumsfokussierung die Ränder unschärfer sind."
"Ausgeglichen wird diese Rand-Schwäche am KB Sensor bei der Asphärischen Version aber durch ein deutlich ruhigeres Bokeh, das dem des Minolta Rokkor 1.2/58mm nahekommt. Auch glüht es weniger als die meisten mir bekannten 1.2er. Im Nahbereich spielt es seine Überlegenheit voll aus. Es scheint gerade im Bereich bis 10 Meter genau in seinem Element zu sein und ist in seiner Rechnung vermutlich nicht auf Unendlich als Bezugspunkt in der Entwicklung entstanden."


Technische Daten

Brennweite: 55 mm
Bildwinkel: 43° diagonal
Lichtstärke: 1:1,2
Blendenbereich: 1,2 - 16
Linsenanzahl/Baugruppen: 7-5
Kürzeste Entfernung: 0,6 m
Gewicht: 565 Gramm
Baulänge: 52,5 mm
Filtergewinde: 58 mm
Gegenlichtblende: BS-58 (Bajonett am Filtergewinde)
- Metall-Variante (Anfangszeit, ca. "Chromnase-Ära")
- Kunststoff-Variante (Mitte und Ende der Produktion)
Besonderheiten: "breech-lock mount" (FD-Bajonett Typ 1)
Kaufpreis (1973) 50.000 Yen
Bauzeit: März 1971 - (wahrscheinlich) Oktober 1980


Varianten

Lt. der diversen Veröffentlichungen existieren zwei Varianten:

Canon FD 1:1,2/55 mm (Variante 1)

Canon FD 1:1,2/55 mm - mit freundlicher Genehmigung von team-foto.com

Beschreibung

Hierbei handelt es sich die "Grundversion" vom März 1971 für das FD-Bajonett, lt. der Broschüre "Einführung in die Canon F-1, Canon Inc., Tokyo (1972)" besitzt das Objektiv eine Mehrschichtvergütung, die bei Canon "Super-Spectra-Coating" (S.S.C.) genannt wird.

Alle bekannten Objektive haben ein verchromtes Gegenlichtblenden-Bajonett (Chromnase genannt) zur Aufnahme der Gegenlichtblende BS-58), welches der "Silbernase" der Olympus-OM-Objektive ähnelt.

Der "Vorgänger" aus dem FL-System - FL 1:1,2/55 mm - soll lt. verschiedener Quellen konstruktiv baugleich sein. Beim "Übergang" auf das FD-Bajonett wurde nur die mechanische Konstruktion auf die neuen Gegebenheiten angepasst - der optische Aufbau wurde komplett übernommen.

Galerie

Hier eine kleine Galerie mit Bildern des Objektives:


Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. (Variante 2)

Beschreibung

Konstruktiv völlig gleich, (sehr wahrscheinlich) Wegfall der "Chromnase", alle Objektive haben eine Mehrschichtvergütung (Gravur "S.S.C." - "Super Spectra Coating").

Im Rahmen der Einführung der Kameras mit Blendenautomatik bekam der Blendenring (zeitlich gegliedert) folgende Gravuren und Verriegelungsmöglichkeiten:

Variante Gravur für die Blendenautomatik
(nach Blende 16)
Verriegelung mit Druckknopf Zeitraum (ca.) Anmerkung
2a "Kreis" nein unbekannt Bisher ein Exemplar aufgetaucht, könnte aber - s. Anmerkung - beim Service umgebaut worden sein.
2b "Kreis" ja unbekannt
2c Buchstabe "A" ja unbekannt

Anmerkung: Zu der Variante 1 sind bis jetzt nur Blendenringe ohne Verriegelungsmöglichkeit und dem Kreissymbol aufgetaucht. Im Zuge eines Services kann der Blendenring aber auch gegen ein anderes Exemplar (2b, 2c) getauscht worden sein (Quelle: Gespräch mit einem - leider schon verstorbenen - Canon-Mitarbeiter).

Galerie

Hier eine kleine Galerie mit Bildern der Variante:


Änderung der Vergütung während der Bauzeit

Bezüglich der Vergütung soll es Unterschiede bei dieser Variante gegeben haben - hierzu wurden uns zwei Fotos von Sebastian Druschel zur Verfügung gestellt, die das (sehr schwierig darzustellende) Phänomen recht gut darstellen:

Vergleich verschiedener Vergütungen des Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C.
Baujahr 1977
Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. - "1977" - mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Druschel
Baujahr 1978
Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. - "1978" - mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Druschel

Anmerkung:
Das Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. Aspherical ist - trotz sehr ähnlicher Maße - konstruktiv unterschiedlich aufgebaut (eine Linse mehr / asphärische Optik) und bietet eine noch etwas bessere optische Leistung (leider aber viel teurer).

Im Oktober 1980 erschien der - konstruktiv völlig unterschiedliche - Nachfolger: Das Canon FDn 1:1,2/50 mm für das (leicht modifizierte) FDn-Bajonett.

Vorgängermodell

Wie schon oben dargestellt, nennt Canon selbst ein Vorgängermodell mit dem FL-Bajonett (siehe Zitate):

Canon FL 1:1,2/55 mm

Beschreibung

Canon FL 1:1,2/55 mm - aus der Sammlung Detlef Prüfert
Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. (links), Canon FL 1:1,2/55 mm (rechts) - aus der Sammlung Detlef Prüfert

Hierbei handelt es sich - sehr wahrscheinlich - um die gleiche optische Rechnung wie beim Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C., Unterschiede sind nur in der Fassung und Vergütung festzustellen.

Galerie

Hier ein paar Bilder dieses Objektives:


Interne Verweise


Weblinks


Testberichte

Hier ein paar Testergebnisse zur zeitgenössischen Einordnung des Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C.:

popular photography (1977)

Lens Coma (critical f-stops) Astigmatism (critical f-stops) Lat. Chrom. Focus shift Distorsion Vignetting (None Beyond....) Centering Focal length f-number Transmittance
1/3 out 2/3 out Far edge 1/3 out 2/3 out Far edge 1/3 out 2/3 out Far edge Long. chrom. (Blue-Red) spherical Marked Measured Marked Measured Measured T-number
Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. 2.2 4 5.6 1.2 4 1.2 None None None 0,08 mm f/1.2-f/4 None Moderate Barrel f/2.8 Sightly Off 55 mm 54.9 mm f/1.2 f/1.24 90.00 % t/1.30
G.Zuiko Auto-S 1:1,2/55 mm 2 2.2 4.5 2.2 2.2 4.5 None V. Slight Slight 0.04 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Pronounced Barrel f/2.2 Near Perfect 55 mm 56.0 mm f/1.2 f/1.31 84.24 % t/1.42
Konica Hexanon AR 1.1,2/57 mm 2 2.8 4.5 1.2 4.5 1.2 None None None 0.12 mm f/1.2-f/4 0.02 mm Moderate Barrel f/2.8 Near Perfect 57 mm 58.0 mm f/1.2 f/1.19 90.00 % t/1.25
Leitz Noctilux 1:1,2/50 mm 2.2 2.2 5.6 5.6 9 None V. Slight V. Slight Slight 0.05 mm f/1.2-f/4 None Pronounced Barrel f/2.8 Perfect 50 mm 51.9 mm f/1.2 f/1.20 86.00 % t/1.30
Minolta MC Rokkor 1:1,2/58 mm 2 2.8 4 None None 5.6 None None None 0.09 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Moderate Barrel f/2.8 Sightly Off 58 mm 59.5 mm f/1.2 f/1.23 86.60 % t/1.32
Nikon Nikkor S-Auto 1:1,2/55 mm 2.8 4 5.6 None None 5.6 Slight Medium Medium 0.07 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Pronounced Barrel f/2.2 Perfect 55 mm 55.0 mm f/1.2 f/1.20 93.30 % t/1.25
SMC Pentax 1:1,2/50 mm None 2.8 4.5 None 4.5 6.3 None V. Slight Slight 0.15 mm f/1.2-f/4 0.03 mm Moderate Barrel f/2.2 Near Perfect 50 mm 51.8 mm f/1.2 f/1.22 93.30 % t/1.26
Vivitar Series 1 1:1,2/55 mm (Cosina) 2.2 2.8 5.6 4 5.6 None Slight Above Avg. Above Avg. 0.16 mm f/1.2-f/4 None Moderate Barrel f/2.2 Near Perfect 55 mm 56.2 mm f/1.2 f/1.24 90.00 % t/1.30

Testbericht von Objektiven der "1,2er-Klasse" von Walter E. Schön


Beispielaufnahmen

Bokeh des Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. - Blende 1,2 (Canon EOS 5D MkII), (100%-Ausschnitt) - mit freundlicher Genehmigung von Henry Feddersen
Stahlwerk Becker (Willich), Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. - Blende 5,6 (Canon EOS 450D), (Vollbild - nicht verkleinert)

Hier finden Sie ein paar Beispielaufnahmen:

Bitte beachten:
Die tatsächliche Darstellung von Bokeh, Schärfe, Kontrast, Schärfentiefe etc. treten erst bei der Betrachtung in "Vollauflösung" in Erscheinung, hierzu wurden viele Bildbeispiele in Originalgröße (aber stark komprimiert) hinterlegt.

Weitere Beispielaufnahmen (auch an "Vollformat-Kameras") finden sie in der Umbaudokumentation des Canon FD 1:1,2/55 mm S.S.C. auf das Canon-EF-Bajonett.

Lesenswerte Literatur

  • Einführung in die Canon F-1, Canon Inc., Tokyo (1972) keine ISBN
  • Günter Richter - Canon F-1, Heering-Verlag, Seebruck am Chiemsee (1977) ISBN 3-7763-3341-3
  • Bob Shell - Handbuch - das komplette Canon-System, Verlag Laterna magica Joachim F. Richter, München (1994) ISBN 3-87467-543-2